Sei einfach du selbst, dann wird alles gut. Diesen Rat geben wir unseren Kindern mit auf den Weg. Das schreibst du jemandem ins Poesie-Album. Oder ins Freunde-Buch. Das ist sozusagen allgemeines Wissen: Der Weg zum Glück führt darüber, du selbst zu sein. Hörst du auch das Möööööp, das es in Quiz-Sendungen bei einer falschen Antwort gibt? Aber Ralf, soll ich mich etwas verstellen? Soll ich anderen etwas vormachen? Soll ich immer mit einer Maske herumlaufen? Ähm … nein, sollst du natürlich nicht. Ich sage auch nicht, dass „sei einfach du selbst“ immer falsch ist. Oft ist das ein guter Rat. Aber oft nicht. Du und ich, wir kennen beide Menschen, wo du sagst: Wenn du noch mehr du selbst bist, raste ich aus. Was wir vielleicht eigentlich meinen, ist: Sei du selbst. Verstell dich nicht. Zeige dich, wie du bist. Außer, wenn du dir selbst damit schadest. Oder den Menschen, die wichtig für dich sind. Ja, wenn du dir selbst schadest, dann darfst du auch versuchen, mal jemand anderes zu werden. Jemand, der vielleicht glücklicher, zufriedener und fähiger ist. „Sei einfach du selbst“ hat auch einen großen Bruder. Der heißt: „Ich bin eben so“. „Ich bin eben so“ ist eigentlich kein so schlechtes Lebensrezept. Solange man damit nicht gegen Gesetze verstößt. Und solange man glücklich und zufrieden ist. Wenn du aber nicht so richtig glücklich bist. Und zufrieden auch nicht. Dann ist ein „Ich bin eben so“ eine untaugliche Lebenseinstellung. Und dann sagen andere vielleicht auch mal: „Wenn du gerne unglücklich sein willst, dann mach einfach so weiter. Toi. Toi. Toi.“ Es ist natürlich schwer zu entscheiden, wo ich wirklich so bin, wie ich bin. Wo meine Gene und meine Prägung mich also wirklich unveränderbar gemacht haben. Wo ich mich nicht ändern kann, weil es nicht in meiner Natur liegt. Nein, ein Faultier wird keinen Geschwindigkeitsrekord aufstellen, auch wenn es sich richtig anstrengt. Wie erkenne ich das? Wo kann ich besser werden? Wo bin ich noch formbar? Und wo ist jede Liebesmüh verloren? Wo bin ich wirklich, wie ich eben bin? Martin Seligmann, der Mitbegründer der positiven Psychologie sagt hier: Dein Charakter ist veränderlich. Also solche gängigen Charakter-Eigenschaften, wie etwas Mut, Freundlichkeit, Optimismus, Kreativität, soziale Intelligenz oder Fairness. Während deine Persönlichkeit stabil und eher unveränderbar ist. Also ob du eher gewissenhaft oder nachlässig bist. Oder ob du introvertiert oder extrovertiert bist. Oder ob du eher offen für Neues oder eher konservativ bist. Aber wenn ich daran denke, dass ich ein ziemlich introvertierter Mensch bin, der sogar mal eine Zeit lang mit sozialen Phobien zu kämpfen hatte. Und heute bin ich immer noch nicht extrovertiert. Aber ich habe hart an mir gearbeitet, sodass ich heute ziemlich menschentauglich und menschenorientiert bin. Nein, wir können uns nicht überall ändern. Aber wir können lernen, wir können uns entwickeln und besser werden. Das liegt in unserer Macht. Wir können uns selbst immer besser verstehen. Und wir können lernen, wie wir mit unseren Unzulänglichkeiten umgehen. Sodass wir uns selbst und anderen nicht so sehr schaden. Ich würde dir heute nicht mehr ins Poesie-Album schreiben: „Sei einfach du selbst“. Nein. Vielleicht eher: Überlege dir, was du willst. Und wenn du dir dabei selbst im Weg stehst, dann versuche mit all deiner Kraft dich zu ändern. Und ansonsten: Bleib, wie du bist. Ralf Schreiben als Weg – das neue Programm von Ralf zeigt dir, wie du das Schreiben zu deinem verlässlichen und hilfreichen Begleiter und Coach machen kannst (Start noch am 20.3. und am 27.3.) |
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